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Beratung & Service Lerntipps Lernen mit allen Sinnen

Lernen mit allen Sinnen

Menschen nicht in Schubladen einordnen

In den Beiträgen dieser Reihe haben Sie Tipps bekommen, wie Sie den Lernstoff Ihrem bevorzugten Lerntyp entsprechend aufbereiten können. Solche Typenmodelle sind vor allem in der betrieblichen Praxis weit verbreitet. Man nutzt sie jedoch immer weniger dazu, Menschen in Schubladen einzuordnen. Stattdessen wird in zunehmenden Maße berücksichtigt, dass Individuen niemals nur einem Typ angehören, sondern Merkmale verschiedener Typen zu individuell unterschiedlichen Anteilen auf sich vereinigen. Gleiches gilt auch für die vorgestellten Lerntypen und wird bei dem verlinkten Lerntypentest berücksichtig.

Eine verbreitete Art, individuelle Ausprägungen auf verschiedenen Typen graphisch darzustellen (eine also dem visuellen Typ entsprechende Aufbereitung von Informationen) ist das sogenannte Netzdiagramm. In diesem wird die individuelle prozentuale Ausprägung der einzelnen Typen eingetragen und durch Linien verbunden. Dabei wird besonders anschaulich, welcher Wahrnehmungs- und Verarbeitungstyp besonders stark und welcher eher schwach ausgeprägt ist. Mit Hilfe der Vorlage können Sie also ein individuelles Lerntypenprofil von sich erstellen, indem Sie die bei der Auswertung des Lerntypentests erhaltenen Prozentangaben in das Diagramm übertragen.

Wenn Sie den Selbsttest für Ihr Profil verwendet haben, sollten Sie allerdings berücksichtigen, dass es sich hierbei um Ihre subjektive Einschätzung aufgrund Ihrer individuellen Lernerfahrung handelt. Vester (2000) stellt als Alternative auch drei objektive Tests zur Ermittlung der Behaltensquote unterschiedlich dargebotener Informationen vor (hier allerding nur auditiv, visuell und haptisch). Jeder Test besteht aus einer 20-sekündigen Aufnahmephase, einer 30-sekündigen Zwischenaufgabe (Kopfrechenaufgaben) und einer 20-sekündigen Abrufphase. In der Aufnahmephase werden von einem Partner im Abstand von 2 Sekunden insgesamt 10 Informationen entweder vorgelesen (Wörter von Gegenständen), vorgelegt oder zum Ertasten in die Hand gegeben. In der Abrufphase sollen dann so viele der Gegenstände wie möglich genannt werden. Wenn Sie also auch ein objektives Maß Ihres bevorzugten Lerntyps erhalten möchten, können Sie diesen Test mit einem Partner durchführen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die von Vester berichteten Ergebnisse einer (mit 30 Personen allerdings sehr kleinen) Testgruppe. Sie zeigten, dass die durchschnittliche Behaltensleistung in Abhängigkeit vom Darbietungskanal variierte (vgl. Tabelle 1): Die auditive Präsentation führte durchschnittlich zur geringsten, die visuelle zur höchsten Behaltensquote. Gleichzeitig streute die Behaltensleistung bei auditiver Darbietung stärker (d.h. hier konnten einige Personen auch keinen der Gegenstände nennen) als bei der visuellen Darbietung (hier konnten die meisten Personen mindestens fünf Gegenstände nennen).

TestbedingungMittelwertStandardabweichung
Hören4,16

1,8

Sehen7,291,3
Anfassen6,791,5

Tabelle 1: Ergebnisse eines Tests zur Behaltensleistung für jeweils 10 Informationen, die über unterschiedliche Kanäle aufgenommen wurden (Vester, 2000, S. 221)

In den Lerntypen-Beiträgen ging es darum, das eigene Handeln auf den individuellen bevorzugten Wahrnehmungs- und Verarbeitungstyp abzustimmen. Dieser ist jedoch neben der individuellen genetischen Veranlagung auch von kulturellen und biographischen Faktoren (z.B. dem deutschen Schulsystem und der Lernkultur in den besuchten Schulen und im Elternhaus) geprägt. Der bevorzugte Lernstil muss also nicht unbedingt optimal zur eigenen Person passen. Zum Ende der Serie daher noch folgender nicht ganz unwichtiger Hinweis:

Forschungen zeigen, dass Gelerntes besonders gut aufgenommen und verarbeitet wird, wenn möglichst viele verschiedene Sinne daran beteiligt sind. Unabhängig davon, welchem Grundlerntyp Sie also entsprechen, sollten Sie mit möglichst vielen Sinnen lernen. Auch unsere Wahrnehmungssinne sind lernfähig. Sollten Sie also eine besonders geringe Ausprägung auf einem der Typen für sich ermittelt haben, so könnte es sich lohnen, diesen Wahrnehmungskanal besonders zu schulen.

Lesen Sie sich also gerne noch einmal die Tipps für andere Lerntypen durch und probieren Sie sie aus.

Vielleicht ergeben sich durch das Ausprobieren der Strategien anderer Lerntypen noch einmal ganz neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Auf jeden Fall gilt: je unterschiedlicher Sie sich den Lernstoff aneignen, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten des Erinnerns und Behaltens. Deshalb steigt auch die Erinnerungsquote an, wenn mehr Sinneskanäle am Lernprozess beteiligt sind. Lernen mit allen Sinnen bedeutet daher, die natürlichen Lernfähigkeiten, die uns unser Körper zur Verfügung stellt, optimal zu nutzen und somit die Lernleistung zu steigern.

 

Quellen und weiterführende Literatur:
Cottrell, S. (2010). Studieren. Das Handbuch. Heidelberg: Spektrum.
Vester, F. (2000). Denken, Lernen, Vergessen. München: dtv.
Zintl, V. (2006). Lernen mit System. München: Urban & Fischer.