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  • Pressemitteilung

Hilfsbereitschaft in der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz

Nach der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz erlebten die betroffenen Menschen in den Landkreisen eine enorme Hilfsbereitschaft.

©Chris Gallagher @Unsplash

Nach der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz erlebten die betroffenen Menschen in den Landkreisen eine enorme Hilfsbereitschaft. Fremde unterstützen spontan, um Schlamm aus den Häusern zu schaffen und das Nötigste zu beschaffen. Wie lässt sich dies in Zeiten erklären, in denen es der modernen Gesellschaft oft an Zusammenhalt zu fehlen scheint? Soziologin Prof. Dr. Petra Arenberg der SRH Fernhochschule – The Mobile University hat in Insul im Kreis Ahrweiler bei den Aufräumarbeiten geholfen und gibt sowohl persönliche als auch fachliche Einblicke. 

Die Bilder aus den Hochwassergebieten sind bewegend und die Hilfsbereitschaft überwältigen. Doch warum helfen wir völlig Fremden in Not? Was treibt die Helfer an? Dies hat Prof. Dr. Petra Arenberg von der SRH Fernhochschule aus soziologischer Sicht genauer betrachtet:

Persönliche Eindrücke der Hilfsbereitschaft in Insul
Neben Organisationen wie Feuerwehr und THW, die zum Hilfeleistungssystem gehören, halfen auch zahlreiche Privatpersonen den vom Hochwasser betroffenen Menschen. Petra Arenberg berichtet: „Völlig Fremde standen vor der Tür, fragten was zu tun ist und haben ohne Wenn und Aber angepackt. Das Ausmaß der privaten Initiativen war erstaunlich, sogar schwere Geräte wie Bagger und Schuttfahrzeuge wurden organisiert, um die Straßen freizuräumen. So konnten die Helfer wenigstens zu Fuß zu den Häusern gelangen und weiterarbeiten.“

Warum helfen wir anderen Menschen?
Prof. Arenberg erforscht prosoziales Verhalten, Kooperation und Teamarbeit. „Aus wissenschaftlicher Perspektive macht Helfen glücklich, denn nach einer guten Tat werden Belohnungshormone ausgeschüttet. Man fühlt sich als guter Mensch, der etwas Sinnvolles im Leben tut und gebraucht wird“, so die Expertin. Menschen helfen aus unterschiedlichen Gründen, einer davon ist Mitgefühl. Auch soziale Normen können eine Rolle spielen: die Bewohner eines Ortes, deren Häuser unbeschädigt waren, empfinden möglicherweise einen sozialen Druck, nach dem Motto „das gehört sich so“. Evolutionär betrachtet sind wir Menschen im Vorteil, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und anderen helfen, die Not leiden. Fremden zu helfen, ist dabei ein viel diskutiertes Phänomen, welches auch im Tierreich vorkommt. Putzerfische zum Beispiel nagen an den Zähnen von Haien Parasiten ab, wofür sie nicht selbst gefressen werden.

Gefahr ganz nah 
Bei der Hochwasser-Katastrophe rückte die Betroffenheit näher: was in unserer Nähe geschieht, kann uns allen geschehen. Mitgefühl mit den Menschen in Not, führt zu einem selbstlosen Verhalten. Zudem bestanden keinerlei Zweifel daran, dass die Personen tatsächlich Hilfe brauchen. Auch die Coronakrise kann dazu beigetragen haben, da wir in dieser Zeit auf unsere Familie und engsten Kontakte begrenzt waren. Bei den Begegnungen und Gesprächen mit Fremden hat man wieder das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Durch Beziehungen wird uns die Kraft der sozialen Unterstützung bewusst, gemeinsam kann ein Ziel leichter erreicht werden. Prof. Dr. Petra Arenberg: „Das Erleben von Zusammenhalt bei der Hochwasser-Katastrophe kann eine neue Perspektive auf Gemeinschaft und Gesellschaft fördern. Soziale Beziehungen könnten wieder eine größere Bedeutung erhalten, zum Beispiel Kontakt zu den eigenen Nachbarn zu pflegen.“

Für Interviewanfragen und noch tiefere Einblicke steht Ihnen unsere Soziologin gerne zur Verfügung. Wir würden uns freuen, wenn Sie über dieses bewegende Thema berichten würden.

Kontakt
Lea-Anna Hurler

Presse & Öffentlichkeitsarbeit

lea.hurler@mobile-university.de +49 7371 9315-232

Das Erleben von Zusammenhalt bei der Hochwasser-Katastrophe kann eine neue Perspektive auf Gemeinschaft und Gesellschaft fördern. Soziale Beziehungen könnten wieder eine größere Bedeutung erhalten, zum Beispiel Kontakt zu den eigenen Nachbarn zu pflegen.

Soziologin, Prof. Dr. Petra Arenberg