
Carina Thiel ist Absolventin der SRH Fernhochschule und zeigt uns ihren Berufsalltag als Neuropsychologin. Wie gelingt es, Menschen nach einem Schlaganfall wieder zurück in den Alltag zu begleiten?
Carina Thiel ist Absolventin der SRH Fernhochschule und zeigt uns ihren Berufsalltag als Neuropsychologin. Wie gelingt es, Menschen nach einem Schlaganfall wieder zurück in den Alltag zu begleiten?

In meinem Arbeitsalltag als Klinische Neuropsychologin begegne ich täglich Menschen nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder anderen neurologischen Erkrankungen. Neben motorischen Einschränkungen zeigen sich häufig auch Veränderungen in der geistigen Leistungsfähigkeit. Dazu zählen beispielsweise Aufmerksamkeitsleistungen, Gedächtnisleistungen, visuelle Leistungen und exekutive Funktionen. Zudem können sich Veränderungen im Antrieb und in der Stimmung ergeben.
Abhängig von Ausprägung und Lokalisation der Hirnschädigung können unterschiedliche Funktionsbereiche betroffen sein und die Beeinträchtigungen sehr unterschiedlich stark ausfallen. In der neuropsychologischen Therapie arbeiten wir daher sowohl mit schwer betroffenen Menschen, die nur kurz wach oder nicht orientiert sind, als auch mit Patient:innen, die sich Schritt für Schritt zurück in ihren Beruf arbeiten.
Ein häufiges Beispiel aus der Praxis sind Aufmerksamkeitsstörungen: Betroffene berichten, dass sie sich nur noch schwer über längere Zeit konzentrieren können, schnell erschöpfen oder mehrere Dinge nicht mehr gleichzeitig bewältigen können. Selbst alltägliche Situationen wie Einkaufen oder ein Gespräch in einer belebten Umgebung können zur Herausforderung werden. Das ist oft verbunden mit dem Gefühl, „nicht mehr ganz man selbst zu sein“. Gerade diese Einschränkungen werden von außen nicht immer sichtbar, prägen den Alltag jedoch erheblich.
Neben der Therapie und Diagnostik kognitiver Funktionen geht es in der Neuropsychologie auch darum, genauer zu verstehen, welche Funktionen betroffen sind und wie sich dies im Alltag zeigt. In der Diagnostik setzen wir standardisierte Testverfahren ein, mit denen wir beispielsweise Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder exekutive Funktionen differenziert erfassen. Ergänzend beobachten wir das Verhalten der Betroffenen und führen Gespräche mit Patient:innen und Angehörigen, um ein möglichst umfassendes Bild der individuellen Stärken und Schwierigkeiten zu gewinnen.
Darauf aufbauend umfasst die Therapie sowohl gezieltes Funktionstraining, bei dem beeinträchtigte kognitive Leistungen systematisch geübt und verbessert werden, als auch die Entwicklung individueller Strategien für den Alltag, etwa um besser mit Reizüberflutung umzugehen, Aufgaben zu strukturieren oder mit Erschöpfung und emotionalen Veränderungen umzugehen. Ziel ist es, Funktionen zu verbessern, vorhandene Ressourcen zu nutzen, um langfristig mehr Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen.
Für Psychologiestudierende eröffnet sich damit ein Arbeitsfeld an der Schnittstelle von Neurologie und Psychologie – und ein Einblick in das Zusammenspiel von Gehirn, Verhalten und Identität.
Weitere Einblicke in genau solche Störungsbilder, den therapeutischen Alltag und konkrete Fallbeispiele teile ich in meinem Podcast Kopf.Stillstand.Weiter. – für alle, die verstehen möchten, was hinter den oft schwer greifbaren Folgen neurologischer Erkrankungen steckt.

Marketing & Sales

Carina Thiel hat an der SRH Fernhochschule Psychologie (M.Sc.) studiert und sich anschließend zur Klinischen Neuropsychologin weitergebildet. In diesem Beruf arbeitet sie aktuell in einer Klinik, die sich auf die neurologische Rehabilitation spezialisiert hat. Um ihr Wissen über die Neuropsychologie weiterzugeben, hat sie ihren Podcast „Kopf.Stillstand.Weiter.“ ins Leben gerufen, in dem sie über das Berufsfeld und die Krankheitsbilder aufklärt.
Dann entdecken Sie unsere Themenwelt. Spannende Inhalte und Studiengänge erwarten Sie.