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Tiergestützte Intervention

Am Praxistag Tiergestützte Intervention im Mai 2022 konnten Studierende der Sozialen Arbeit (B.A.) eine ganz besondere Verbindung mit den eingesetzten Eseln eingehen.

„Tierische Helfer“ können in der Sozialen Arbeit überaus wertvoll sein, wenn Klient:innen zum Beispiel unter traumatischen Erfahrungen leiden oder Bindungsstörungen bestehen. Darum ist die sogenannte tiergestützte Intervention auch ein wichtiger Bestandteil im Studiengang „Soziale Arbeit (B.A.)“ der SRH Fernhochschule. Im Mai konnten Studierende sich selbst ein Bild von der Arbeit in der Praxis machen – und kamen auf Exkursion im Schwarzwald mit den Tieren ganz persönlich in Kontakt.

Unser Studiengang "Soziale Arbeit (B.A.)"

Tiergestützte Intervention in Theorie und Praxis

Das Wohl seiner Tiere hat für Dr. Rainer Wohlfarth (siehe Foto rechts) größte Bedeutung. Das betont er gegenüber den Studierenden, die an diesem sonnigen Frühlingstag zu Ani.Motion nach Sasbachwalden im Schwarzwald gekommen sind, ganz deutlich. „Damit tiergestützte Intervention gelingen kann, darf man die Begegnungen zwischen Mensch und Tier nicht einfach dem Zufall überlassen.“ Deshalb legt er neben dem persönlichen Kontakt zu den Tieren auch großen Wert auf theoretisches Wissen und den Erfahrungsaustausch mit den Studierenden.

Dem Psychotherapeuten Wohlfarth ist das auch deshalb so wichtig, weil er weiter dazu beitragen will, die tiergestützte Intervention als ernstzunehmende Methode auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen zu festigen. Und auch, um gegen Kritik gewappnet zu sein. „Leider arbeiten nicht alle Einrichtungen, die eine Ausbildung in tiergestützter Intervention anbieten, wirklich seriös. Lediglich 20 bis 30 Prozent würde ich das attestieren."

Folglich fehlt oftmals das nötige Fachwissen, um unter Einbezug der Tiere die Situation der Klient:innen zu verbessern und dabei gleichzeitig nicht das Wohl der bei den Interventionen eingesetzten Tiere zu gefährden. Ein Beispiel, das viele von uns aufgrund medialer Berichterstattung präsent haben, ist die umstrittene Delphintherapie. Die funktioniert durchaus, setzt aber im Falle der Delphine auf Wildtiere, die häufig nicht artgerecht gehalten werden.

Auf dem Weg in die Weinberge

In Sasbachwalden ist das ganz anders. Ein artgerechter und respektvoller Umgang mit den Tieren ist hier selbstverständlich. Zum Einsatz kommen Esel – nicht ohne Grund, wie Rainer Wohlfarths Kollegin Bettina Mutschler betont. Die „Hunde- und Eselfachfrau“ ist systemische Beraterin und Coach. Bevor es mit den Tieren auf einen gemeinsamen Spaziergang durch die Weinberge geht, erklärt sie: „Esel sind keine Herdentiere, sondern regelrechte Individualisten mit eigenem Kopf! Sie stellen einen schon mal vor Herausforderungen.“

Das erleben auch die Teilnehmenden, wenn eins der Tiere eben nicht den Berg hochlaufen will – sondern lieber saftiges Gras am Wegesrand futtert. Doch im Großen und Ganzen klappt es prächtig. „Die Tiere reagieren sehr empfindsam auf menschliche Signale“, ergänzt Bettina Mutschler. „Das schärft bei uns Menschen das Bewusstsein für die eigene Kommunikation, insbesondere die Körpersprache.“ Für Betroffene kann das eine große Hilfe sein. „Tiere reagieren nicht auf den äußeren Schein. In der Mensch-Tier Begegnung werden wesentlichere, tiefere Themen wichtig.“

Praxistag bringt Perspektivwechsel

Für die Studierenden im Studiengang „Soziale Arbeit“ bietet der Austausch wertvolles Fachwissen. „Mir persönlich hat es auch die Scheu vor den Tieren genommen“, sagt Studentin Katja Rühle-Treiber (siehe Foto rechts) anschließend. „So konnte ich mich wirklich sensibel auf sie einstellen. Die Esel haben einen ganz besonderen Charakter, der uns deutlich die eigene Persönlichkeit widerspiegelt. Das regt an, sich für neue Sichtweisen zu öffnen.“

Ihrer Kommilitonin Lea Biechele geht es ähnlich: „Interessant war, wie sich viele Theorien der Sozialen Arbeit auf die Interaktion mit den Tieren übertragen lassen. Für mich persönlich gab es viele Schlüsselmomente, die mir einen Perspektivwechsel auf die Bewältigung von Herausforderungen ermöglicht haben.“

Dementsprechend zufrieden ist Fachdozent Christopher Ott dann auch am Ende. Er hat den Praxistag an der SRH initiiert und sich dafür mit Ani.Motion zusammengetan. Wie Rainer Wohlfarth und Bettina Mutschler, ist auch ihm ein fruchtbares Miteinander von wissenschaftlicher Theorie und echter Praxis wichtig: „Mit unseren Praxistagen wollen wir gezielt Studierende ansprechen, das vielfältige Feld tiergestützter Interventionen kennenzulernen. Und zwar explizit an dem Ort, an dem die Tiere auch eingesetzt werden.“ Keine Frage: Das ist allen Beteiligten in Sasbachwalden ganz wunderbar gelungen.

Drei Fragen an Fachdozent Christopher Ott

Herr Ott (siehe Foto rechts), warum haben Sie Ihre Studierenden zum Praxistag in den Schwarzwald eingeladen?
„Fernhochschule zu sein bedeutet nicht per se, keinen reellen Kontakt zu den Studierenden zu haben oder keine praxisnahe Vermittlung von Studieninhalten zu ermöglichen. Im Gegenteil: Gerade die Mensch-Tier-Beziehung kann uns einen wertvollen Zugang zu unseren Klient:innen ermöglichen. Da sind praktische Elemente und Selbsterfahrungsinhalte sehr wichtig.“

Wo sehen Sie die Potenziale tiergestützter Intervention?
„Tiergestützte Interventionen eignen sich vor allem dann, wenn die Beziehung von Fachkraft und Klient:in vor besondere Herausforderungen gestellt ist, zum Beispiel bei traumatischen Erfahrungen, Bindungsstörungen oder Kommunikationsdefiziten. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass tiergestützte Interventionen kein Allheilmittel sein können. Auch ist natürlich nicht jedes Tier für therapeutische oder pädagogische Settings geeignet.“

In welchen Studiengängen ist es denn möglich, das Modul „Tiergestützte Interventionen“ zu wählen?
„Im Zuge der Re-Akkreditierung des B.A. ‚Soziale Arbeit‘ hat die SRH Fernhochschule das Modul neu aufgestellt. Ab 2023 möchten wir ‚Tiergestützte Interventionen‘ auch den B.A.-Studiengängen ‚Psychologie‘ sowie ‚Prävention und Gesundheitspsychologie‘ anbieten. Außerdem möchten wir mit dem Zertifikat ‚Tiergestütztes Coaching‘ ein weiteres Angebot schaffen, bei dem man entsprechende Qualifikationen niedrigschwellig und sehr praxisnah erwerben kann. Es richtet sich an Interessierte, die ein vertieftes Verständnis von tiergestützten Interventionen im Kontext von Coachingprozessen in Theorie und Praxis entwickeln möchten.“

Fotos: Kim Patricia Laubner

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