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Erfunden oder erforscht: Ernährungsmythen

Ernährungsmythen begegnen uns überall. In der Familie, in den Medien oder im Gespräch mit Freunden. Doch woher kommen Ernährungsmythen eigentlich und wie gehen wir am besten damit um?

Erfunden oder erforscht: Ernährungsmythen

Ernährungsmythen haben eine lange Geschichte. Schon in alten Kulturen gab es Überzeugungen und Aberglauben rund um die Ernährung. Beispiele hierfür sind die Vorstellungen, dass bestimmte Lebensmittel magische oder heilende Kräfte haben oder dass der Verzehr bestimmter Kombinationen von Speisen gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Diese Mythen basierten oft auf mündlicher Überlieferung und Erfahrungen und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Mit dem Fortschritt der Wissenschaft und der Entwicklung der Ernährungsforschung konnten jedoch viele dieser Mythen widerlegt werden.

Wie entstehen Ernährungsmythen?

Ein Grund für die Entstehung und Verbreitung von Ernährungsmythen liegt in der Komplexität der Ernährungswissenschaft. Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit sind oft nuanciert und kompliziert. Studien können widersprüchliche Ergebnisse liefern, und Expert:innen können zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Diese Unsicherheit und Uneinigkeit können Raum für Spekulationen und Missverständnisse lassen, die dann als Ernährungsmythen weitergegeben werden.

Medien und Werbung spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Ernährungsmythen. Schlagzeilen und Artikel über vermeintliche Wunderdiäten, magische Superfoods oder bahnbrechende Studien ziehen oft die Aufmerksamkeit auf sich. Die Medienberichterstattung kann jedoch dazu führen, dass komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse vereinfacht oder falsch interpretiert werden. Reißerische Schlagzeilen können zu falschen Schlussfolgerungen führen und Ernährungsmythen weiter verstärken.

Ein weiterer Faktor, der zur Verbreitung von Ernährungsmythen beiträgt, ist die Rolle von Influencer:innen und sozialen Medien. In der heutigen Zeit haben Influencer:innen eine enorme Reichweite und können große Gruppen von Menschen erreichen. Oft teilen sie persönliche Erfahrungen, Meinungen oder Ratschläge zur Ernährung, ohne über eine qualifizierte Ausbildung oder fundiertes Fachwissen zu verfügen. Diese Meinungen können fälschlicherweise als Fachmeinungen wahrgenommen werden und Ernährungsmythen unterstreichen.

Top 6 der Ernährungsmythen

  1. Kohlenhydrate machen dick: Kohlenhydrate allein machen nicht zwangsläufig dick. Eine übermäßige Kalorienzufuhr insgesamt, einschließlich Kohlenhydrate, kann zur Gewichtszunahme führen. Die Qualität der Kohlenhydrate ist jedoch wichtig. Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte sind gute Quellen für komplexe Kohlenhydrate und sind reich an Ballaststoffen und Nährstoffen.
     
  2. Fett macht fett: Ähnlich wie bei Kohlenhydraten ist die Aufnahme von zu vielen Kalorien insgesamt, unabhängig von der Quelle, mit Gewichtszunahme verbunden. Gesunde Fette, wie sie beispielsweise in Nüssen oder pflanzlichen Ölen vorkommen, sind wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung und sollten nicht komplett vermieden werden.
     
  3. Der Verzehr von Eiern erhöht den Cholesterinspiegel: Früher dachte man, dass der Verzehr von Eiern den Cholesterinspiegel erhöht und Herzkrankheiten fördert. Es wurde jedoch festgestellt, dass das in Lebensmitteln enthaltene Cholesterin nur einen geringen Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut hat. Die meisten Menschen können sicher ein bis zwei Eier pro Tag essen, solange sie insgesamt eine ausgewogene Ernährung befolgen.
     
  4. Detox-Diäten reinigen deinen Körper: Detox-Diäten oder Saftkuren versprechen oft, den Körper zu entgiften und zu reinigen. In Wirklichkeit ist unser Körper bereits mit natürlichen Entgiftungsmechanismen, hauptsächlich über Leber und Nieren, ausgestattet. Eine gesunde Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr unterstützt diese Funktionen genügend.
     
  5. Fünf Mahlzeiten pro Tag sind ideal: Die Idee, fünf oder mehr kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, um den Stoffwechsel anzukurbeln, ist ein Mythos. Die Häufigkeit der Mahlzeiten hat keinen signifikanten Einfluss auf den Stoffwechsel. Die Anzahl der Mahlzeiten kann individuell variieren, und es ist wichtig, auf Hunger- und Sättigungssignale des Körpers zu achten.
     
  6. Gluten ist schlecht für alle: Gluten ist ein Protein, das in verschiedenen Getreidearten vorkommt. Für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit führt der Verzehr von Gluten zu gesundheitlichen Problemen. Für die meisten Menschen ist Gluten jedoch unbedenklich.

Umgang mit Ernährungsmythen

Es ist wichtig, Ernährungsmythen kritisch zu hinterfragen und auf wissenschaftlich fundierte Informationen zurückzugreifen. Die Ernährungswissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, und es gibt solide Forschungsergebnisse darüber, wie eine gesunde und ausgewogene Ernährung aussehen kann. Um Mythen zu durchbrechen und eine fundierte Entscheidung über die eigene Ernährung zu treffen, können wir uns auf vertrauenswürdige Quellen wie ernährungswissenschaftliche Organisationen https://www.dge.de/, akademische Forschungseinrichtungen https://www.mobile-university.de/ und qualifizierte Ernährungsexperten    https://www.vdoe.de/ verlassen.

Im Studiengang Ernährungswissenschaft und Prävention setzen wir uns mit Ernährungsthemen auf wissenschaftlicher Basis auseinander. Die Studierenden lernen Zusammenhänge zu erkennen und Aussagen kritisch zu hinterfragen. Beides sind Kompetenzen, die gerade im Bereich der Ernährung essenziell wichtig sind.“

Prof. Dr. Bianca Müller

Der Kampf gegen Ernährungsmythen erfordert eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler:innen, Gesundheitsorganisationen, Medien und der Öffentlichkeit. Es ist wichtig, wissenschaftliche Ergebnisse klar und verständlich zu kommunizieren und die Bedeutung einer evidenzbasierten Ernährung hervorzuheben. Individuen sollten ihre eigenen Entscheidungen treffen, basierend auf zuverlässigen Informationen und ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben.

In einer Welt, in der Informationen weitverbreitet sind, ist es unerlässlich, Ernährungsmythen zu erkennen und zu hinterfragen. Indem wir uns auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse stützen und kritisch denken, können wir eine gesunde und ausgewogene Ernährung erreichen und uns vor den Tücken der Ernährungsmythen schützen

Gesundheit und gesunde Ernährung bleiben im Trend

In unseren Studiengängen Ernährungswissenschaft und Prävention (B.Sc.) und Lebensmittelmanagement und -technologie (B.Sc.) wird genau dieses fundierte Wissen vermittelt. Weitere interessante Themen rund um die Ernährung finden Sie hier

SRH Fernhochschule | Prof. Dr. Bianca Müller

Prof. Dr. Bianca Müller

ist Studiengangsleiterin für Ernährungswissenschaft und Prävention (B.Sc.) und Lebensmittelmanagement und -technologie (B.Sc.) and der SRH Fernhochschule - Mobile University

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