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Moderne Risikokommunikation – Wie soziale Medien den Bevölkerungsschutz verändern

Digitale Medien haben auch die Risikokommunikation revolutioniert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Falk Tennert sehen wir uns die Rolle digitaler Medien in der modernen Risikokommunikation an. Welche Chancen bieten sie beispielsweise im Bevölkerungsschutz?

Digitale Medien begleiten uns heute überall. Nicht nur im Alltag sind sie relevant, sondern auch in Katastrophenfällen und Risikosituationen werden sie eingesetzt, um die Öffentlichkeit schnell über die aktuelle Sachlage zu informieren. Die rasche Verbreitung von Informationen in den digitalen und sozialen Medien hat die Risikokommunikation, ebenso wie andere Bereiche der Kommunikationslandschaft, revolutioniert. In diesem Blogbeitrag werden wir uns gemeinsam mit Prof. Dr. Falk Tennert, Kommunikationswissenschaftler und Leiter des Zertifikats Digitale Risiko- und Krisenkommunikation, genauer mit der Rolle digitaler Medien in der Risikokommunikation befassen. Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz?

SRH Fernhochschule | Prof. Dr. Falk Tennert

Warum müssen wir auch über negative Dinge wie Risiken und Katastrophen sprechen?

Über negative Dinge sprechen wir Menschen ungern – das liegt in der Natur der Sache. Und trotzdem ist es wichtig, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Einerseits muss sich die Gesellschaft und jeder Einzelne auf Katastrophen vorbereiten, bspw. durch entsprechende Vorräte und Vorsorgemaßnahmen. Darüber muss im Vorfeld aufgeklärt werden.

Zum anderen muss die Kommunikation im Ernstfall gelingen. „Denn im Fall der Fälle muss alles reibungslos funktionieren, auch der Informationsfluss“, so Prof. Dr. Tennert. Daher ist es unerlässlich, sich auf negative Ereignisse vorzubereiten. So können viele unerwünschte Folgen von Katastrophensituationen abgefedert werden.

Wie sieht eine gute Risikokommunikation aus?

„Das Ziel der Risikokommunikation ist es, Informationen zu bündeln und effektiv an die Betroffenen weiterzugeben. Dabei geht es neben Fakten auch darum, Vertrauen aufzubauen, Ängste zu mildern und Handlungsanweisungen zu geben“, erklärt Prof. Dr. Tennert. Diese Gratwanderung – zu Handlungen aufzufordern ohne Panik zu verbreiten – will gut geplant sein. „Hierfür muss der Kommunikator zielorientiert zwischen Furcht- und Informationsbotschaften abwägen“, weiß unser Experte.

Starke Furchtbotschaften können durch ihre emotionale Wirkung dazu führen, dass das Risiko von der Bevölkerung ernst genommen wird. „Denn wie eine Risikobotschaft wahrgenommen wird, hängt nicht nur von der Botschaft selbst, sondern auch von personalen und situativen Faktoren ab“, so Prof. Dr. Tennert. Und so hängt die Wirksamkeit von Furchtappellen von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, ob die zur Verfügung stehenden präventiven Maßnahmen als effektiv wahrgenommen werden, von der Formulierung (Framing) sowie von der eigenen Veränderungs- und Handlungsbereitschaft.

Sachinformationen haben zum Ziel, die Bevölkerung über Gefahrenquellen und entsprechendes Schutzverhalten aufzuklären. Umfang und Detailtiefe sollten dabei an den Medienkanal angepasst sein. Moderne Medien erlauben dabei auch den Einsatz von Storytelling, Personalisierung und Fallbeispielen. Wirksam sind vor allem solche Informationen, …

  • die über Ursachen, Konsequenzen und Prävention aufklären
  • die von uns als wichtig erlebt werden (Involvement)
  • die Selbstrelevanz aufweisen oder 
  • zu denen wir auf der personalen Ebene eine Verbindung sehen.

Das letztendliche Ziel der Botschaft ist jedenfalls immer dasselbe: eine entsprechende Handlung auszulösen.

Welche Vorteile und Chancen bieten digitale und soziale Medien in der Risikokommunikation?

Digitale Medien spielen in den vergangenen Jahrzehnten eine zunehmende Rolle in unserem alltäglichen Leben und damit auch im Katastrophenschutz. Plattformen wie soziale Netzwerke, Online-Nachrichtenseiten oder Apps ermöglichen eine direkte und unmittelbare Verbreitung von Informationen in Echtzeit. Dabei können die einzelnen Plattformen unterschiedliche Kommunikationsaufgaben erfüllen, etwa Informationen proaktiv bereitzustellen, regelmäßige Status-Updates zu liefern oder Hilfsaktivitäten zu koordinieren.

Die Bevölkerung kann diese Informationen von überall und unkompliziert abrufen. Die GPS-Funktion von Smartphones bietet außerdem die Möglichkeit, standortabhängige Informationen bereitzustellen. „Die Risikokommunikation profitiert insgesamt also enorm von den Möglichkeiten moderner, digitaler Kommunikation“, so Prof. Dr. Tennerts Fazit. Dabei werden aus User-Sicht vor allem Bedürfnisse wie Orientierung, Informationsaustausch und soziale Unterstützung erfüllt.

Praxisbeispiel Bevölkerungsschutz: Wie helfen digitale Medien, um die Bevölkerung auf Katastrophen vorzubereiten?

Bevölkerungsschutz ist ein Teilbereich der Risikokommunikation. Auf Bundesebene ist hierfür das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, zuständig. Dem BBK obliegt es also auch, die Bevölkerung über relevante Vorsorgemaßnahmen sowie das richtige Verhalten im Ernstfall vorzubereiten.

„Hierzu bietet das BBK auf seiner Webseite ein vielseitiges und multimediales Informationsangebot und zeigt damit, wie moderne Risikokommunikation gelingen kann“, führt Prof. Dr. Tennert aus. Mithilfe von Videos, Checklisten und kurzen Ratgebern erfahren User, wie sie sich auf potenzielle Notfälle optimal vorbereiten können. Auch in den sozialen Netzwerken klärt das BBK über die Thematik auf und sensibilisiert die Bevölkerung entsprechend. Digitale Medien können also unterstützend für eine effektive Risikokommunikation eingesetzt werden.

Das BBK gibt auch einen ausführlichen Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen heraus.

Einen Kongressband zum Fachkongress “Forschung für den Bevölkerungsschutz” stellt das BBK auf seiner Webseite zur Verfügung.

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