In unseren Studiengängen im Gesundheitswesen lernen Sie wichtigsten Entwicklungen von KI und Digitalisierung und wie sie die Arbeit in Krankenhäusern, MVZs, ambulanten Praxen und die Arbeit mit Patient:innen verändert.

Künstliche Intelligenz ist inzwischen in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung angekommen. So unterstützen KI-Anwendungen beispielsweise die Auswertung von Mammografie-Aufnahmen, erkennen Hinweise auf eine beginnende Sepsis oder erleichtern durch automatische Spracherkennung die Dokumentation während der Visite. Die Frage, ob KI in der Medizin bereits einen konkreten Nutzen bietet, lässt sich heute auf Grundlage zahlreicher Versorgungsdaten, klinischer Studien und zugelassener Medizinprodukte beantworten.
In diesem Artikel erhalten Sie konkrete Beispiele aus Diagnostik, Pflege, DiGA und Forschung – mit Studien, Evidenz und Blick auf die nächste Stufe.

Die wichtigsten Einsatzfelder
- Diagnostik: Unterstützung bei der Auswertung von Bilddaten in der Radiologie, Mammografie, Pathologie, Augenheilkunde und Kardiologie.
- Früherkennung und Risikobewertung: Identifikation kritischer Krankheitsverläufe, beispielsweise bei Sepsis, Schlaganfall oder chronischen Erkrankungen.
- Unterstützung klinischer Prozesse: Automatisierte Dokumentation, Spracherkennung sowie Systeme zur Triage und Behandlungsplanung.
In diesen Anwendungsbereichen dient KI als Entscheidungsunterstützung für medizinisches Fachpersonal. Die Systeme helfen dabei, Informationen schneller auszuwerten, Auffälligkeiten zu priorisieren und Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Die medizinische Verantwortung verbleibt dabei weiterhin bei den behandelnden Fachkräften.
Diagnostik
Besonders hohe Evidenz in der BildanalyseDer Nutzen von KI ist derzeit vor allem in der bildgebenden Medizin gut dokumentiert. Verfahren wie Radiologie, Mammografie, Dermatologie und digitale Pathologie erzeugen große Mengen standardisierter Bilddaten, die sich mithilfe maschineller Lernverfahren effizient analysieren lassen. Die wichtigsten Beispiele sind:
Die schwedische MASAI-Studie zeigte, dass KI-gestütztes Mammografie-Screening den Arbeitsaufwand bei der Bildbefundung um 44,3 Prozent reduzieren konnte, ohne die diagnostische Genauigkeit zu verschlechtern (The Lancet Oncology, 2023). Eine weitere Auswertung aus dem Jahr 2024 berichtete zudem über eine höhere Detektionsrate bestimmter Brustkrebsformen, ohne dass die Zahl falsch-positiver Befunde anstieg.
Auch in der Schlaganfalldiagnostik kommen KI-Systeme zunehmend zum Einsatz. Sie unterstützen die Auswertung bildgebender Verfahren, indem sie Gefäßverschlüsse oder andere Auffälligkeiten automatisiert erkennen und Behandlungsteams frühzeitig informieren. Solche Anwendungen werden inzwischen in mehreren Schlaganfallzentren eingesetzt und können dazu beitragen, die Zeit bis zum Therapiebeginn zu verkürzen.
In der digitalen Pathologie unterstützt KI unter anderem bei der Erkennung von Tumorgewebe, der Quantifizierung von Biomarkern und der Analyse großer Gewebeproben. Mit der Zulassung des ersten KI-gestützten Systems zur Prostatakrebserkennung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Jahr 2021 wurde ein wichtiger Schritt für den klinischen Einsatz dieser Technologien erreicht. Seither ist die Zahl zugelassener Anwendungen kontinuierlich gestiegen. Ziel ist eine standardisierte und reproduzierbare Befundung sowie eine Entlastung der Fachkräfte bei Routineaufgaben.
Früherkennung und Risikobewertung
Unterstützung bei der Erkennung kritischer KrankheitsverläufeEin weiteres wichtiges Einsatzgebiet von KI sind klinische Frühwarnsysteme. Sie analysieren kontinuierlich Vitalparameter, Laborwerte und weitere Patientendaten, um Hinweise auf eine gesundheitliche Verschlechterung frühzeitig zu erkennen. Gut untersuchte Beispiele sind:
Da sich eine Sepsis innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich entwickeln kann, ist eine möglichst frühe Behandlung entscheidend. In einer prospektiven Multicenter-Studie zum Targeted Real-time Early Warning System (TREWS) zeigte sich, dass die zeitnahe Reaktion auf KI-generierte Warnmeldungen mit einer geringeren Sterblichkeit bei Hochrisikopatientinnen und -patienten verbunden war (Nature Medicine, 2022). Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Nutzen solcher Systeme maßgeblich vom Zusammenspiel zwischen KI-Anwendung und medizinischem Behandlungsteam abhängt.
Auch in der Kardiologie gewinnt KI an Bedeutung. Algorithmen unterstützen die Auswertung von EKG-Daten und können Hinweise auf Vorhofflimmern, strukturelle Herzerkrankungen oder andere Risikomuster frühzeitig erkennen. Ergänzend liefern Wearables und implantierbare Messsysteme kontinuierlich Gesundheitsdaten, die in die Analyse einbezogen werden können. Dadurch besteht die Möglichkeit, bestimmte Erkrankungen früher zu diagnostizieren und eine geeignete Behandlung bereits in einem frühen Krankheitsstadium einzuleiten.
Unterstützung klinischer Prozesse (Praxisbeispiele)
KI im Einsatz in deutschen GesundheitseinrichtungenDer Einsatz von KI beschränkt sich nicht auf Forschungsprojekte, sondern ist in zahlreichen deutschen Gesundheitseinrichtungen bereits Teil der klinischen Versorgung. Stationäre und ambulante Beispiele sind:
An der Charité – Universitätsmedizin Berlin werden KI-gestützte Verfahren unter anderem in der Schlaganfalldiagnostik eingesetzt, um die Auswertung bildgebender Verfahren zu unterstützen und Behandlungsprozesse zu beschleunigen.
Auch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verfolgt im Rahmen seines Smart-Hospital-Konzepts die Integration digitaler Technologien entlang verschiedener Versorgungsschritte. Zu den Anwendungsbereichen zählen unter anderem die Unterstützung der Bildbefundung, das Kapazitätsmanagement sowie digitale Frühwarnsysteme auf Intensivstationen.
Am Universitätsklinikum Essen wird ebenfalls seit mehreren Jahren ein Smart-Hospital-Programm umgesetzt. Hier kommen KI-Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen der Patientenversorgung zum Einsatz und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
Auch im ambulanten Bereich nimmt die Verbreitung KI-gestützter Anwendungen zu. Digitale Anamnese-Systeme strukturieren Patientendaten bereits vor dem Arzttermin und unterstützen dadurch die Vorbereitung des Behandlungsgesprächs. Telemedizinische Angebote nutzen KI unter anderem zur Ersteinschätzung medizinischer Anliegen und können insbesondere in Regionen mit eingeschränkter medizinischer Versorgung die Patientensteuerung verbessern. Darüber hinaus werden digitale Gesundheitsanwendungen beispielsweise bei Diabetes mellitus, COPD oder Depression eingesetzt, um Patient:innen zwischen den Behandlungsterminen zu begleiten.
Welche Vorteile ergeben sich für Patient:innen?
Viele KI-Anwendungen arbeiten im Hintergrund und sind für Patientinnen und Patienten im Behandlungsalltag kaum sichtbar. Dennoch können sie die medizinische Versorgung in verschiedenen Bereichen verbessern.
Mögliche Vorteile sind unter anderem:
- schnellere Verfügbarkeit diagnostischer Ergebnisse,
- frühere Erkennung kritischer Krankheitsverläufe,
- Unterstützung bei der individuellen Therapieplanung,
- kontinuierliche Begleitung chronisch erkrankter Menschen durch digitale Gesundheitsanwendungen sowie
- höhere Patientensicherheit durch Entscheidungsunterstützung und Medikationsprüfungen.
Diabetesbehandlung
Ein Beispiel hierfür sind digitale Anwendungen zur Unterstützung der Diabetesbehandlung. Sie können Blutzuckerwerte, körperliche Aktivität und weitere Gesundheitsdaten kontinuierlich erfassen und auswerten. Ärztinnen und Ärzte erhalten dadurch ergänzende Informationen über den Krankheitsverlauf, die in die Therapieentscheidung einbezogen werden können.
Elektronische Patientenakte (ePA)
Eine wichtige Grundlage für die zunehmende Digitalisierung bildet die elektronische Patientenakte (BMG zur ePA für alle). Seit Januar 2025 wird sie für gesetzlich Versicherte grundsätzlich automatisch angelegt, sofern kein Widerspruch erfolgt. Mit dem schrittweisen bundesweiten Rollout und der verpflichtenden Nutzung in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken stehen künftig strukturierte Gesundheitsdaten umfassender zur Verfügung (gematik, 2025). Diese Datenbasis ist eine wesentliche Voraussetzung für den sicheren und sinnvollen Einsatz datenbasierter KI-Anwendungen.

KI in der Pflege: Unterstützung von Dokumentation und Versorgungsprozessen
Neben der Diagnostik gewinnt KI auch in der professionellen Pflege zunehmend an Bedeutung. Ziel vieler Anwendungen ist es, Pflegefachpersonen bei administrativen und organisatorischen Aufgaben zu entlasten, damit mehr Zeit für die direkte Versorgung der Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht.
Zu den wichtigsten Einsatzbereichen zählen derzeit:
- Dokumentation: automatische Spracherkennung und strukturierte Dokumentationshilfen,
- Risikoeinschätzung: Unterstützung bei der Erkennung von Sturz-, Dekubitus- oder Wundrisiken,
- Personal- und Einsatzplanung: datenbasierte Planung von Dienst- und Tourenplänen,
- Wundmanagement: KI-gestützte Bildanalyse zur Dokumentation und Verlaufskontrolle sowie
- Medikationssicherheit: Unterstützung bei der Erkennung möglicher Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler.
Der Erfolg solcher Anwendungen hängt nicht ausschließlich von ihrer technischen Leistungsfähigkeit ab. Ebenso entscheidend ist ihre Integration in bestehende Arbeitsabläufe. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass KI-Systeme insbesondere dann einen Mehrwert bieten, wenn sie gemeinsam mit den Anwender:innen entwickelt und schrittweise in den Versorgungsalltag eingeführt werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegepraxis, klinischem Management und Informationstechnologie ist daher eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI in der Pflege.
Unterstützung der Versorgung im Alltag
Nicht alle DiGA basieren auf Künstlicher Intelligenz. Sie verdeutlichen jedoch, wie digitale Technologien die medizinische Versorgung ergänzen können. Einsatzgebiete finden sich unter anderem bei psychischen Erkrankungen, chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus oder in Bewegungs- und Rehabilitationsprogrammen. Die Anwendungen unterstützen Patientinnen und Patienten dabei, therapeutische Maßnahmen zwischen Arzt- oder Therapieterminen fortzuführen und den Krankheitsverlauf zu dokumentieren. Insbesondere bei längeren Wartezeiten auf eine Behandlung können sie die Versorgung sinnvoll ergänzen, ersetzen jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Betreuung.
Werden KI-basierte Verfahren eingesetzt, sind neben dem potenziellen Nutzen auch Anforderungen an Transparenz, Patientensicherheit und Verantwortlichkeiten zu berücksichtigen. Anwendungen müssen nachvollziehbar kommunizieren, welche Unterstützung sie leisten können und in welchen Situationen eine ärztliche Abklärung erforderlich ist.
Mit denDiGA hat Deutschland einen regulatorischen Rahmen geschaffen, der die Integration digitaler Anwendungen in die Gesundheitsversorgung ermöglicht. Auf Grundlage des Digitale-Versorgung-Gesetzes (BfArM DiGA) können bestimmte Anwendungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft diese Anwendungen nach den Vorgaben des § 139e SGB V hinsichtlich Sicherheit, Funktionalität, Datenschutz und nachgewiesenem Versorgungseffekt.
Herausforderungen beim Einsatz von KI in der Medizin
Trotz der Fortschritte bestehen weiterhin Herausforderungen, die bei der Entwicklung und Implementierung medizinischer KI berücksichtigt werden müssen.
Sprachmodelle können medizinische Informationen verständlich aufbereiten, ihre Antworten sind jedoch nicht automatisch fachlich korrekt oder für jede individuelle Situation geeignet. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung, über die unter anderem Reuters berichtete, zeigte, dass die Nutzung großer Sprachmodelle durch medizinische Laien bei Gesundheitsfragen nicht zu besseren praktischen Ergebnissen führte als herkömmliche Informationsquellen. Dies verdeutlicht, dass medizinische Informationen weiterhin kritisch bewertet und professionell eingeordnet werden müssen (Reuters, 2026).
Eine weitere Herausforderung besteht in der Qualität und Repräsentativität der Trainingsdaten. Sind bestimmte Bevölkerungsgruppen in den zugrunde liegenden Datensätzen unterrepräsentiert, kann dies die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen für einzelne Patientengruppen beeinträchtigen. Deshalb gewinnen vielfältige Datensätze, transparente Validierungsverfahren und regelmäßige Qualitätskontrollen zunehmend an Bedeutung. Auch der europäische AI Act stellt hierfür neue regulatorische Anforderungen.
Darüber hinaus entscheidet die Integration in bestehende Versorgungsprozesse wesentlich über den Erfolg einer KI-Anwendung. Ergebnisse aus klinischen Studien lassen sich nicht immer unmittelbar auf den Versorgungsalltag übertragen. Für einen erfolgreichen Einsatz sind deshalb geeignete Arbeitsabläufe, Schulungen des Personals, kontinuierliche Evaluation sowie klare Verantwortlichkeiten erforderlich.
Evidenz als Maßstab für den Einsatz medizinischer KI
Der Nutzen medizinischer KI sollte nicht ausschließlich anhand technischer Leistungskennzahlen bewertet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob sich durch ihren Einsatz die Qualität der Patientenversorgung verbessert.
Zu den zentralen Bewertungskriterien gehören unter anderem:
- frühere Erkennung von Erkrankungen,
- Verringerung vermeidbarer Komplikationen,
- Verkürzung der Zeit bis zur Diagnosestellung oder Behandlung,
- Entlastung medizinischer Fachkräfte,
- Verbesserung von Versorgungsprozessen und Patientenkommunikation,
- Übertragbarkeit der Ergebnisse auf unterschiedliche Versorgungseinrichtungen und Patientengruppen sowie
- klare Regelungen hinsichtlich Verantwortung und Qualitätssicherung.
Diese patienten- und versorgungsorientierten Endpunkte werden zunehmend als Maßstab für die Bewertung neuer KI-Anwendungen herangezogen.
Parallel dazu entwickeln sich auch die regulatorischen Rahmenbedingungen weiter. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA führt eine kontinuierlich aktualisierte Übersicht zugelassener KI-gestützter Medizinprodukte (FDA AI-Enabled Medical Devices). In Europa bilden die Medical Device Regulation (MDR) sowie der AI Act den rechtlichen Rahmen für Entwicklung, Zulassung und Überwachung medizinischer KI-Systeme. Ziel ist es, Innovationen zu ermöglichen und gleichzeitig hohe Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit sicherzustellen.
Auch bei zunehmender Digitalisierung bleibt die medizinische Versorgung eine Aufgabe, die fachliche Expertise, klinische Erfahrung und zwischenmenschliche Kommunikation erfordert. KI kann medizinische Fachkräfte bei der Analyse von Daten oder der Vorbereitung von Entscheidungen unterstützen. Die Bewertung individueller Behandlungssituationen, die gemeinsame Entscheidungsfindung sowie die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten bleiben jedoch zentrale Aufgaben des medizinischen Personals.
Durch die Übernahme standardisierter und zeitintensiver Routinetätigkeiten kann KI dazu beitragen, Freiräume für Aufgaben zu schaffen, die menschliche Erfahrung und persönliche Interaktion erfordern.
KI in der medizinischen Forschung
Neben der klinischen Versorgung verändert KI zunehmend auch die biomedizinische Forschung. Einige Beispiele sind:
Ein bedeutendes Beispiel ist AlphaFold 3, ein KI-System zur Vorhersage der Struktur und Wechselwirkungen von Proteinen, Nukleinsäuren und weiteren Biomolekülen. Die 2024 in Nature veröffentlichte Methode erweitert die Möglichkeiten der computergestützten Strukturbiologie und kann dazu beitragen, biologische Prozesse besser zu verstehen (Nature, 2024). Langfristig eröffnet dies neue Perspektiven für die Entwicklung diagnostischer und therapeutischer Verfahren.
Durch die Analyse genetischer Daten, klinischer Informationen und international verfügbarer Falldatenbanken können Hinweise auf seltene Krankheitsbilder schneller erkannt werden. Europäische Forschungsinitiativen untersuchen derzeit, inwieweit sich dadurch Diagnosewege verkürzen und die Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten verbessern lassen.
Dabei werden bereits zugelassene Arzneimittel auf mögliche neue Anwendungsgebiete untersucht. KI kann große Mengen biologischer und klinischer Daten analysieren, um potenzielle Wirkstoffkandidaten zu identifizieren und deren Auswahl für weiterführende Studien zu unterstützen. Dies kann insbesondere bei seltenen Erkrankungen oder Indikationen mit begrenzten therapeutischen Optionen die Arzneimittelentwicklung beschleunigen.
Erfolgsfaktoren für die Einführung von KI im Gesundheitswesen
Der Nutzen von KI hängt nicht allein von der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Systeme ab. Entscheidend ist, wie sie in bestehende Versorgungsprozesse integriert werden. Selbst technisch ausgereifte Anwendungen können ihr Potenzial nur entfalten, wenn Arbeitsabläufe angepasst, Verantwortlichkeiten definiert und Mitarbeitende entsprechend geschult werden.
Für die Einführung von KI-Anwendungen haben sich insbesondere folgende Schritte bewährt:
- Anwendungsfall definieren: Welches konkrete Versorgungs- oder Organisationsproblem soll gelöst werden?
- Evidenz bewerten: Welche wissenschaftlichen Studien und Versorgungsdaten belegen den Nutzen der Anwendung?
- Integration in den Arbeitsalltag prüfen: Lässt sich das System sinnvoll in bestehende Prozesse einbinden?
- Verantwortlichkeiten festlegen: Wie werden Entscheidungen getroffen, wenn Einschätzungen von KI und Fachpersonal voneinander abweichen?
- Qualität kontinuierlich überwachen: Wie werden Leistung, Sicherheit und Akzeptanz der Anwendung nach der Einführung evaluiert?
Diese Aspekte sind entscheidend für den nachhaltigen Einsatz medizinischer KI. Ein Frühwarnsystem entfaltet seinen Nutzen nur, wenn Warnhinweise in geeignete Behandlungsprozesse eingebunden sind. Ebenso können digitale Dokumentations- oder Befundsysteme nur dann unterstützen, wenn ihre Ergebnisse nachvollziehbar sind und von den Anwenderinnen und Anwendern akzeptiert werden.
Datenschutz und Datennutzung gemeinsam betrachten
Der Umgang mit Gesundheitsdaten ist eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz medizinischer KI. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Patient:innen in den Datenschutz entscheidend für die Akzeptanz digitaler Anwendungen.
AI Act
Auch regulatorisch werden diese Anforderungen zunehmend berücksichtigt. Der europäische AI Act definiert medizinische KI-Anwendungen überwiegend als Hochrisikosysteme und formuliert Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualität, Transparenz und menschliche Aufsicht. Ziel ist es, den sicheren und verantwortungsvollen Einsatz solcher Systeme zu gewährleisten (EU-Kommission, AI in Healthcare).
GDNG und EHDS
Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) sowie dem European Health Data Space (EHDS) werden Rahmenbedingungen geschaffen, die sowohl die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgungsverbesserung als auch den Schutz der Persönlichkeitsrechte berücksichtigen. Ziel ist es, hochwertige Gesundheitsdaten unter klar definierten rechtlichen Voraussetzungen für Forschung und Innovation verfügbar zu machen und gleichzeitig Transparenz sowie die Rechte der Versicherten zu stärken.

Neue Kompetenzanforderungen im Gesundheitswesen
Mit der zunehmenden Digitalisierung verändern sich auch die Anforderungen an Fachkräfte im Gesundheitswesen. Neben medizinischem und pflegerischem Fachwissen gewinnen digitale und interdisziplinäre Kompetenzen an Bedeutung.
Zu den wichtigsten Kompetenzbereichen zählen:
- Datenkompetenz und der sichere Umgang mit Gesundheitsdaten,
- Grundlagenwissen zu KI-Systemen und deren Einsatzmöglichkeiten,
- Kenntnisse zu Datenschutz, Ethik und regulatorischen Anforderungen,
- Prozess- und Qualitätsmanagement in digitalen Versorgungssystemen,
- Kommunikationskompetenz im Umgang mit Patientinnen und Patienten sowie
- Veränderungsmanagement bei der Einführung digitaler Technologien.
Diese Themen spielen daher auch in der akademischen Aus- und Weiterbildung eine zunehmend wichtige Rolle. Studiengänge im Gesundheitsmanagement, Pflegemanagement, der Medizinpädagogik, Psychologie oder Prävention vermitteln neben fachlichen Grundlagen zunehmend Kompetenzen im Bereich Digitalisierung, Datenanalyse und KI. Ziel ist es, Absolventinnen und Absolventen darauf vorzubereiten, digitale Entwicklungen im Gesundheitswesen fachlich fundiert zu bewerten und aktiv mitzugestalten

Fragen, die Patientinnen und Patienten stellen können
Auch für Patientinnen und Patienten kann es hilfreich sein, den Einsatz von KI-Anwendungen besser zu verstehen. Folgende Fragen können zur Einordnung beitragen:
- Wofür wird die KI-Anwendung eingesetzt?
- Welche Rolle spielt das medizinische Fachpersonal bei der Bewertung der Ergebnisse?
- Welche Daten werden verarbeitet?
- Wie wird mit möglichen Fehlbewertungen umgegangen?
- Welche Wahlmöglichkeiten bestehen hinsichtlich der Nutzung digitaler Anwendungen?
Transparente Informationen über Nutzen, Grenzen und Verantwortlichkeiten fördern das Vertrauen in digitale Technologien und unterstützen eine informierte Entscheidungsfindung.
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Fazit
Künstliche Intelligenz ist bereits heute Bestandteil zahlreicher Bereiche der medizinischen Versorgung. Studien zeigen Vorteile insbesondere in der bildgestützten Diagnostik, bei klinischen Frühwarnsystemen, in der Dokumentation sowie bei digitalen Gesundheitsanwendungen. Gleichzeitig macht die aktuelle Evidenz deutlich, dass KI medizinische Fachkräfte unterstützt, sie jedoch nicht ersetzt.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung gewinnen deshalb sowohl technische Innovationen als auch qualifizierte Fachkräfte an Bedeutung. Wer die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Technologien versteht und sie verantwortungsvoll einsetzen kann, wird die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aktiv mitgestalten.
Entsprechend entwickeln sich auch die Anforderungen an akademische Aus- und Weiterbildungsangebote. Studiengänge mit Schwerpunkten in Digitalisierung, Gesundheitsmanagement, Pflege, Prävention oder Medizinpädagogik vermitteln die Kompetenzen, die für den reflektierten Einsatz von KI und anderen digitalen Technologien im Gesundheitswesen zunehmend erforderlich sind.

- Goldenberg, A.; Wiens, J. (2026): Is AI actually improving healthcare? In: Nature Medicine, 32, S. 1182–1183.
Nature Medicine – Is AI actually improving healthcare? - Nature Medicine (2026): Show us the evidence for the value of medical AI. In: Nature Medicine, 32(4), S. 1163. DOI: 10.1038/s41591-026-04389-4.
Nature Medicine – Show us the evidence for the value of medical AI - Lång, K. et al. (2023): Artificial intelligence-supported screen reading versus standard double reading in the Mammography Screening with Artificial Intelligence trial (MASAI): a clinical safety analysis of a randomised, controlled, non-inferiority, single-blinded, screening accuracy study. In: The Lancet Oncology, 24(8), S. 936–944. DOI: 10.1016/S1470-2045(23)00298-X.
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Nature Medicine – TREWS Sepsis Study - Henry, K. E. et al. (2022): Factors driving provider adoption of the TREWS machine learning-based early warning system and its effects on sepsis treatment timing. In: Nature Medicine, 28, S. 1447–1454. DOI: 10.1038/s41591-022-01895-z.
Nature Medicine – TREWS Adoption and Treatment Timing
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) – Informationen zum DiGA-Verzeichnis und zum Verfahren nach § 139e SGB V.
BfArM – Digitale Gesundheitsanwendungen - Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Informationen zur Digitalen Gesundheitsversorgung und zu Digitalen Gesundheitsanwendungen.
Bundesministerium für Gesundheit
- Europäische Kommission: Artificial Intelligence in Healthcare. Informationen zum Einsatz von KI im Gesundheitswesen und zum europäischen Rechtsrahmen.
European Commission – Artificial Intelligence in Healthcare - Europäische Kommission: European Health Data Space (EHDS). Informationen zum europäischen Gesundheitsdatenraum, zur Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten und zu den Regelungen für Forschung und Versorgung.
European Commission – European Health Data Space - Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zum Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) und zur Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung.
BMG – Gesundheitsdatennutzungsgesetz - Europäische Union: Regulation (EU) 2024/1689 – Artificial Intelligence Act. Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz in der Europäischen Union.
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): Artificial Intelligence-Enabled Medical Devices. Laufend aktualisierte Übersicht KI-gestützter Medizinprodukte.
FDA – AI-Enabled Medical Devices